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"TOMA!"1 – PORTUGALS ÄLTESTE KERAMIKFABRIK BEHAUPTET SICH GEGEN DIE WIRTSCHAFTSKRISE
Von Maria Hilt*

Beinahe hätte die internationale Wirtschaftskrise Portugals älteste Keramikfabrik zu Fall gebracht. Kurz vor Weihnachten 2008 teilte die Geschäftsführung der Faianças Artísticas Bordalo Pinheiro in Caldas da Rainha den 172 Angestellten des Unternehmens mit, dass sie die Produktion aus Mangel an Aufträgen schon im kommenden Monat einstellen werde. Es begann ein erbitterter Kampf gegen die Schließung. Nicht nur die Belegschaft demonstrierte vehement und stürzte sich gleichzeitig in die Arbeit, um die verbleibenden Bestellungen abwickeln zu können – auch Politiker, die Medien sowie die breite Öffentlichkeit empörten sich bis vor die EU-Kommission darüber, dass diese Wiege wichtiger portugiesischer Kulturgüter einfach so dem Rotstift zum Opfer fallen sollte.

Die Keramikfabrik Bordalo Pinheiro wurde 1884 als Fábrica de Faianças das Caldas da Rainha gegründet. Die künstlerische Leitung oblag in den Anfangsjahren dem berühmten portugiesischen Künstler, Journalisten und Karikaturisten Rafael Bordalo Pinheiro. Dieser hatte sich bereits zuvor unter anderem mit seiner Figur Zé Povinho einen Namen gemacht. In Caldas da Rainha ließ er den beliebten Volkshelden als bewegliche Keramikfigur herstellen. Hinzu gesellten sich weitere typische Persönlichkeiten wie die Velha Maria, die Ama das Caldas, o Cura, o Sacristão und o Polícia.

Aber auch andere Symbole wurden zu Markenzeichen der Caldenser Keramikkunst. Rafael Bordalo Pinheiro und später sein Sohn Manuel Gustavo Bordalo Pinheiro orientierten sich mit ihren Entwürfen an den damaligen Haupteinkommensquellen der lokalen Bevölkerung. So spiegeln sich Symbole aus der Fischerei und der Landwirtschaft noch heute auf Vasen, Servierplatten, Suppenschüsseln und Fliesen. Zu den bekanntesten Motiven zählen sicher die Kröte und das Kohlblatt. Das als Louça das Caldas bezeichnete Phallussymbol, mit dem sich die Werke von Bordalo Pinheiro ihren Platz in den Souvenirläden der Stadt teilen, ließen die kreativen Köpfe der Faianças Artísticas jedoch links liegen.

Viele der Faianças Artisticas Bordalo Pinheiro werden bis heute in Handarbeit hergestellt. Neben Gebrauchskeramik finden sich auch diverse Produkte im Sortiment, die als reine Dekorationsgegenstände dienen. Hier zeigt sich der Einfluss des Visionärs Rafael Bordalo Pinheiro, der mitunter auch Riesen-Objekte wie die Beethoven- Vase herstellte, die mit ihren stattlichen 2,80 Metern aus einem Stück gemacht wurde und heute im Nationalen Kunstmuseum von Rio de Janeiro in Brasilien zu bewundern ist. Andere Keramiken aus Caldas da Rainha finden sich übrigens neben Zeichnungen des Künstlers im Museum Rafael Bordalo Pinheiro in Lissabon (Campo Grande, 382, 1700-097 Lisboa).

Trotz all der Aufregung um die bevorstehende Schließung konnten die Faianças Artísticas Bordalo Pinheiro am 30. Juni 2009 ihr 125-jähriges Bestehen feiern. Ende März hatte die Gruppe Visabeira aus Viseu, unter anderem Anteilseigner bei Vista Alegre, 76 Prozent der Anteile an dem Unternehmen erworben. Die neuen Haupteigentümer verkündeten auch sogleich, alle 172 Arbeitsplätze sichern zu können. Mit dem Fokus auf die traditionellen Produkte und 1,8 Millionen Euro Investition möchte Visabeira die Keramik aus Caldas da Rainha nun vor allem auf dem deutschen und dem nordamerikanischen Markt wieder positionieren und so dem starken Konkurrenzdruck des asiatischen Markts standhalten.
(Internet:
www.bordalopinheiro.pt)

* Unsere Redakteurin Maria Hilt lebte während ihres Auslandsstudiums in direkter Nachbarschaft zur Produktionsstätte der Faianças Artísticas Bordalo Pinheiro in der Rua Rafael Bordalo Pinheiro in Caldas da Rainha

1 Ausruf der Herausforderung, häufig von einem manguito begleitet (siehe den nachstehenden Artikel von Célia Nascimento).


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Frosch von Rafael Bordalo Pinheiro

Der Frosch von Rafael Bordalo Pinheiro