Tongeschirr aus Redondo (Alentejo) Von Leonor Pereira *
Meine älteste Erinnerung an dieses „Geschirr“ ist ein Satz winziger Schüsselchen, Näpfchen und Tellerchen … Teil meiner bescheidenen Spielzeugsammlung aus Kinderzeiten und Geschenk meiner Großmutter mütterlicherseits. Mit ihnen spielte ich damals voll Begeisterung.
Zum „Tongeschirr“ braucht man Töpfer, d.h. Künstler, die den Ton in schöne Objekte verwandeln, die wir vom großelterlichen Haushalt kennen und die mehrere Generationen überlebt haben. Die ersten Hinweise auf die Töpferei in Redondo gehen auf das 16. Jahrhundert zurück. Sie finden sich in dem Freibrief, den König Manuel dem Ort Redondo 1516 gewährte und in dem die Zunft der Töpfer erwähnt wird.
Der Zweck der Objekte und die Phantasie der Töpfer haben zur Herstellung der unterschiedlichsten Formen geführt. Sie sind mit verschiedenen Motiven dekoriert, die auf den Alentejo und seinen schlichten Lebensstil anspielen. Sie dienen zur Dekoration oder zum täglichen Gebrauch, so wie Wasserschüsseln, Wasserkrüge, Olivenschüsselchen, Salatschüsseln, pingadeiras1, Fünf-Liter-Weinflaschen, Räuchergefäße, Teller, Platten, Töpfe etc.
Das Tongeschirr aus Redondo gilt als das interessanteste Portugals. Es gibt die beiden Formen, die glasierte unbemalte und die bemalte. Die unbemalte Ware, wie Wasserschüsseln, und -krüge, ist strapazierfähiger, und die bemalte, wie Teller, Platten, Tassen etc., ist für den pfleglicheren Gebrauch bestimmt. Bei den Bildmotiven herrschen Blumen und Laubwerk vor, die Sonne, der Hahn, das Häuschen, die Eiche und Viehhirten bei der Arbeit. Es gibt auch typische Bezeichnungen und Beschriftungen: Weidenkorb mit Blumen, Andenken, Rosa, Redondo – König der Tonwaren u. a.
Schließlich gibt es die Teller, die bemalt sind mit verschiedenen Themen wie Liebe, Jahrestage, wichtigen Ereignisse oder persönliche Danksagungen. Sie wurden im Laufe der Zeit mit mehr oder weniger Kreativität des Töpfers oder des Bestellers hergestellt und waren als persönliches oder offizielles Geschenk gedacht. Sie sind ein Zeugnis von Zuneigung und Dank.
Wer diese Kunst näher kennen lernen und die Töpfer bei ihrer Arbeit bewundern möchte, dem empfehlen wir, in diesen netten, gastfreundlichen Ort im Alentejo zu fahren und unbedingt das Museu do Barro und die Töpfereien, soweit sie Besucher empfangen, aufzusuchen. Im Museu do Barro können Sie sich über den Weg des Tons informieren, von den barreiros, dem Ort, wo der Ton abgebaut wird, über seine Bearbeitung, das Formen, das Trocknen, das Bemalen und Brennen der Tonwaren bis zu ihrem Transport auf die Märkte, früher mit Zugtieren, heute mit Lastwagen. In den Töpfereien wird Ihnen das bereichernde Erlebnis geboten, die Wärme der Brennöfen und den Geruch des Tons zu spüren.
Übersetzung: Peter Koj
* Unser Mitglied Leonor Pereira vertritt die Bank BPI in Hamburg. Sie kommt aus Silves (Algarve), begeistert sich aber sehr für den Alentejo. Für Informationen bedankt sie sich bei der Gemeindeverwaltung von Redondo, insbesondere beim Kulturreferenten José Manuel Mendes Portel und bei der Leiterin der Abteilung für Sozio-Kulturelles Luísa Calapez.
1Tongefäße zum Abtropfen oder Beträufeln von Speisen
Unser Mitglied Leonor Pereira vertritt die Bank BPI in Hamburg. Sie kommt aus Silves (Algarve), begeistert sich aber sehr für den Alentejo. Für Informationen bedankt sie sich bei der Gemeindeverwaltung von Redondo, insbesondere beim Kulturreferenten José Manuel Mendes Portel und bei der Leiterin der Abteilung für Sozio-Kulturelles Luísa Calapez. |
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Bemalter Wasserkrug (jarro) aus Redondo |
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