Der Kunsthandwerksmarkt von Estoril – ein Vorbild Von José d’Encarnação *
Als Joaquim Miguel de Serra e Moura, Leiter des Tourismusamtes der Costa do Sol, 1964 im Rahmen der 600-Jahrfeiern der Ernennung von Cascais zur Vila einen Kunsthandwerksmarkt ausrichten ließ, ahnte er nicht, dass seine Idee über die Jahre zu einer dauerhaften Einrichtung und zugleich eine Vorreiterrolle einnehmen würde.
Dahinter stand die Absicht, dem Mercado de Abril oder da Primavera (April- oder Frühlingsmarkt), der sich zu Beginn der Sechzigerjahre in der Nähe der Torre de Belém zaghaft etabliert hatte, Bestand zu verleihen. Im Grunde ging es darum, den Touristen im Sommer die wahre Kunst der Kunsthandwerker aus dem ganzen Land vorzuführen. Zu diesem Zweck bot Serra e Moura ihnen beste Bedingungen hinsichtlich Anreise, Unterkunft und Verpflegung. Bedingung war, dass man ihnen bei ihrer Arbeit zuschauen konnte. Eröffnet wurde der Markt folglich mit großem Brimborium, nicht selten sogar vom Staatspräsidenten persönlich, der dann an jeden einzelnen Kunsthandwerker aufmunternde Worte richtete.
Lasierte Keramik aus Barcelos, darunter die großartigen unverwechselbaren Figuren der Rosa Ramalho (1888 – 1977), einer Frau, die erst mit 68 Jahren angefangen hatte, mit Ton zu arbeiten; der schwarze Ton aus Molelos; die schwarze Keramik aus Bisalhães ... lauter bis dahin unbekannte Namen für den normalen Bürger, der nicht ahnte, dass es in der Provinz, im tiefsten Portugal, Menschen gab, die mit ihren Händen Wunderbares schufen, sei es einfach zur Dekoration, sei es für den täglichen Gebrauch: Körbe aus Weidenruten oder Palmstroh, Gefäße aus Blech oder Kupfer, die Teppiche aus Arraiolos, die Tagesdecken aus Castelo Branco, die Klöppelspitzen ...
Es war also eine ganz neue Welt, die sich da den „Stadtbewohnern“ offenbarte, eine Welt, die es großartig verstand, die Bedürfnisse des Alltags mit einem Hauch Schönheit und Naivität zu paaren. So gesehen, kann man die Teller aus S. Pedro do Corval (Bezirk Redondo, Alto Alentejo), von denen auf dem diesjährigen Markt (im 46. Jahr, in einem Pinienhain unweit des Casino Estoril) ein Exemplar gezeigt wird, mit ihrer prächtigen Farbigkeit und ihren Motiven – Leben und Bräuche der Menschen im Alentejo – als einzigartig bezeichnen.
In einer globalisierten Welt gewinnt das Kunsthandwerk an Gewicht, weil es einzigartig ist und die „Seele“ eines Volkes repräsentiert; in einer Welt, in der Authentizität allmählich verloren geht, finden wir heute auf der Feira do Artesanato do Estoril kaum mehr authentische Kunsthandwerker, denn nur noch wenige arbeiten nach den traditionellen Methoden – früher hieß es „Portugal pelas mãos do seu Povo!“ (Portugal mit den Händen seiner Menschen) ... –, und deshalb überwiegen mechanische Arbeiten, Serienproduktion oder ein „urbanes“ Kunsthandwerk, mit dem sich Männer und Frauen beschäftigen müssen, weil sie keine andere Arbeit finden.
Übersetzung: Karin von Schweder-Schreiner
*Emeritierter Professor der Universität Coimbra. Lebt in Cascais, wo er als Historiker, Archäologe, Schriftsteller und Journalist tätig ist.
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Bemalter Teller aus S. Pedro do Corval, gesehen auf dem Kunsthandwerkermarkt von Estoril am 2. Juli 2009
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