Editorial
Liebe Portugalfreunde,
Portugal ist das Land des Kunsthandwerks. Zwar hat jedes Land hat sein typisches Kunsthandwerk, doch das portugiesische zeichnet sich je nach Region durch einen besonderen Reichtum und eine große Vielfalt der verwendeten Materialien aus. Daher können wir in dieser Ausgabe der Portugal-Post auch nur einen kleinen Einblick bieten. Und wir werden Ihnen auch die Antwort auf die Frage schuldig bleiben, wo das Handwerk aufhört und die Kunst anfängt.
Über die Keramik, ein in Portugal besonders stark vertretenes Kunstgewerbe, haben wir gleich mehrere Artikel zusammengetragen. So stellt uns Adelina Almeida Sedas den „Hirten, der seine migas isst“ und die Keramik von Estremoz vor. Dass Caldas da Rainha ein weiteres Zentrum der portugiesischen Töpferei ist, hat es dem großen Keramiker und Zeichner Rafael Bordalo Pinheiro Keramiker zu verdanken. Maria Hilt beschäftigt sich mit ihm und der Krise, in die die von ihm gegründet Keramikfabrik geraten ist, während Célia Nascimento die malandrices, die anzügliche Keramik von Caldas vorstellt. Leonor Pereira liefert einen Beitrag zu den Keramiken aus Redondo (Alentejo). Die Geschichte der wohl bekanntesten portugiesischen Keramikfigur, des Hahns von Barcelos, erzählt Salomé Andrade Pohl.
Ein anderes für Portugal typisches kunsthandwerkliches Produkt sind die bemalten Fliesen (azulejos). Peter Koj führt in das Thema ein und einem einem weiteren Beitrag gibt er ein paar Erläuterungen zu der so genannten Hamburger Fayence, die in Wirklichkeit aus Lissabon stammt. Die Teppiche aus Arraiolos, die uns Salomé Andrade Pohl vorstellt, sind ebenfalls ein traditionelles, viel begehrtes Produkt. Da Portugal der weltweit größte Korkproduzent ist, werden selbstverständlich auch aus diesem Material kunstgewerbliche Gegenstände hergestellt. Anabela Gaspar, Redakteurin der Zeitschrift ESA, stellt uns einen der letzten Vertreter dieses Kunsthandwerks vor. In einem weiteren Artikel beschäftigt sie sich mit einem anderen für Portugal so typischen (Kunst)Handwerk, der calçada portuguesa (Straßenpflasterei), die den Spaziergänger vor allem in Lissabon, aber nicht nur dort, mit ihren besonderen optischen Effekten überrascht.
Henrietta Bilawer, die ebenfalls für die ESA schreibt, berichtet über verschiedene Initiativen, die in verschiedenen Regionen Portugals versuchen, teilweise ausgestorbenes Kunsthandwerk wiederzubeleben. Echtes portugiesisches Kunsthandwerk zu kaufen wird heutzuge immer schwieriger. Peter Koj hat für Sie ein paar Adressen von Lissabonner Geschäften zusammengestellt, in denen Sie noch Gegenstände finden, die nicht aus Massenfabrikation stammen. Es gibt aber immer noch in ganz Portugal Märkte mit Kunsthandwerk, deren Besuch sich lohnt. Begleiten Sie José d’Encarnação auf die berühmte Feira von Estoril und Antje Griem nach Sobreiro (zwischen Mafra und Ericeira) mit seinem von dem kürzlich verstorbenen José Franco geschaffenen Miniaturdorf.
Reiner Drees beschäftigt sich mit einem Kunsthandwerk der Azoren, dem Scrimshaw. Es ist inzwischen ausgestorben, da die Jagd auf Wale verboten ist, deren Zähne dafür benötigt werden. Die Köpfe der Stülpnasenotter, eine besonders im Gerês verbreitete Schlangenart, die wie die Wale unter Naturschutz steht, werden, wie Rudolf Malkmus festgestellt hat, allerdings weiterhin zu Amuletten verarbeitet.
Neben diesen Beiträgen zum zentralen Thema Kunsthandwerk finden Sie in diesem Heft wieder die üblichen Kolumnen wie Spaß mit Sprichwörtern und Die schönsten Fadotexte, dieses Mal – passend zum Thema – mit dem Fado dos Azulejos von Ary dos Santos. Eberhard Axel Wilhelm (Lissabon) stellt uns mit Hans ut Hamm einen weiteren Hanseaten vor, der einen großen Teil seines Lebens auf Madeira verbracht hat, während Peter Koj in seiner Serie Essa nossa ditosa língua sich mit einem für das Portugiesische typischen Laut beschäftigt, dem ão. Darüber hinaus gibt es – wie stets in der Ausgabe zum Jahresende – eine Beilage, die der portugiesischsprachigen Literatur gewidmet ist und den auf dem deutschen Markt erschienenen Büchern, die sich mit Portugal und den portugiesischsprachigen Ländern beschäftigen.
Wir hoffen, Ihnen mit dieser Ausgabe wieder Freude gemacht zu haben, und wünschen Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest und einen guten Start ins Neue Jahr, das uns hoffentlich viele Gelegenheiten beschert, einander zu sehen und miteinander zu feiern.
Die Redaktion
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Titel: Keramik - der "Hahn von Barcelos" als Sinnbild Portugals
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