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Anzügliches aus Caldas
Von Célia Nascimento  *

Caldas da Rainha, die Stadt im Bezirk Leiria, verdankt ihren Namen der Königin Leonor, die dort, wo „warme Wasser sprudelten“, im 15. Jahrhundert ein Hospital errichtete. Es gilt als das erste Thermalbad der Welt und führte zur Entstehung der Ortschaft. Die malandrices, die anzüglichen Keramiken, sind Wahrzeichen und Identitätsfaktor der Stadt. Man findet sie an den verschiedenen Verkaufsständen auf der Praça da República (im Volksmund auch Praça da Fruta, „Obstmarkt“ genannt), der jeden Vormittag unter freiem Himmel stattfindet. Er ist landesweit der einzige Obst- und Gemüsemarkt, an dem sich seit Ende des 19. Jahrhunderts praktisch nichts verändert hat. Auch die traditionellen Geschäfte rund um den Park haben ein großes Angebot dieser Keramik, die ein wahrer Tourismus-Magnet ist.

Diese humoristische Keramik, die rein dekorativen Zwecken dient, zeigt entblößte Busen, erigierte Penisse jeder Größenordnung (die als Spardosen, Biergläser, Flaschen etc. dienen), Kothaufen, nackte Figuren und solche, die die Verspottung der persönliche Hygiene zum Thema machen. Die phallische Keramik aus Caldas da Rainha wurde schon früh von privaten Töpfern in heimischen Öfen anonym gebrannt. Viele dieser Töpfer arbeiteten nebenbei in den örtlichen Fabriken. Es gibt keine schriftliche Dokumentation dieser Produktion, und so müssen wir uns auf die mündliche Aussagen stützen, die uns von den ältesten Töpfern, Keramikern und Händlern überliefert sind.

In den letzen Jahren ist die Zahl der Hersteller von phallischer Keramik auf zwei zurückgegangen. Auch wenn sie eine ordinäre und provozierende Form der Kunsthandwerks darstellen, so sind die vom Aussterben bedrohten malandrices ein typisches Kennzeichen der Stadt Caldas da Rainha und haben dazu geführt, dass man zu den Bewohnern von Caldas sagt, „Du siehst wirklich wie ein … aus“ oder von den Arbeitern der Keramikfabrik SECLA, die von der Schicht heimkehren, behauptet: „Die schaffen jetzt keinen … mehr.“

Die Keramik, die ursprünglich verschiedene Berufe karikierte (Priester, Fischer, Bauern), stellt heute nationale und internationale Politiker dar oder Berühmtheiten wie Amália Rodrigues, Mariza, Luciano Pavarotti etc. Die wohl bekannteste Figur ist zweifellos der Zé Povinho, der gerade einen manguito macht, im Volksmund auch als toma (etwa: Nimm dies! Da hast du’s!) bekannt. Im Laufe der Jahre ist dieser Ausdruck zu einer stehenden Redewendung literarischer Art geworden, häufig mit einer satirischen, politischen oder gesellschaftlichen Funktion.

Übersetzung: Peter Koj

* Unser Mitglied Célia Nascimento stammt aus Caldas da Rainha.

 
 
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Marktszene mit keramischen Erzeugnissen aus Caldas da Rainha, darunter auch "malandrices"
 


Keramik des Zé Povinho ("portugiesischer Michel"), der gerade einen „manguito“ macht.