Kunst aus Kork Von Anabela Gaspar *
António Adélio Baptista Real ist ein Autodidakt. In seiner Freizeit lernte er seine Kunst, alleine auf sich gestellt in den vier Wänden seiner kleinen Werkstatt in Portalegre, die früher eine Garage war. Dort entwirft er seit 15 Jahren die verschiedensten Gegenstände aus Kork. Als Beamter im Veterinäramt des Landwirtschaftsministeriums war er täglich auf den Feldern des Alentejo unterwegs, um Tiere zu untersuchen. Dabei fiel ihm auf, wie die Hirten gedankenverloren an Korkstücken schnitzten. Einige machten ganz simple Teller oder Löffel, aber andere verzierten die Objekte mit solch verspielten Schnitzarbeiten, dass aus herkömmlichen Gegenständen des Alltags wahre Kunstobjekte wurden. Heimlich probierte er es auch aus. Bewaffnet mit einem Stück Kork und einem kleinen Messer, machte er sich ans Werk. „Natürlich kam die ersten Male nichts Gescheites dabei raus, aber ich gab nicht auf“, gesteht António Real. Lächelnd fügt er hinzu: „Ich brauchte viele Stunden und vor allem viel Geduld, bis es mir gelang, ein Stück zu fertigen, das ich ohne mich zu schämen anderen zeigen konnte.“
Dann ändert sich sein Gesichtsausdruck. Mit verzogener Miene sagt er: „Leider gibt es heute fast niemanden mehr, der dies noch ausübt.“ António Real erklärt, dass, seitdem die Felder eingezäunt sind, die Hirten tagsüber nicht mehr mit den Tieren auf den Feldern bleiben müssen. Statt die Zeit mit dem Bearbeiten von Kork zu verbringen, erledigen sie nun Anderes im Ort oder verbringen die Stunden in der Kneipe, bis sie am Ende des Tages die Tiere wieder holen. Auch die Männer, die früher die Rinde der Eichen schälten, beschäftigten sich mit dem Kork. Die Großgrundbesitzer brachten sie morgens auf die Felder und holten sie erst am späten Nachmittag ab. Da sie ab drei Uhr wegen der Hitze die Rinde nicht weiter schälen konnten, verbrachten sie den Rest des Tages damit, Gegenstände aus Kork zu schnitzen. „Der eine oder andere alte Hirte macht es noch, aber es sind Einzelfälle.“
António Real bot seine Dienste der Berufsschule von Portalegre an, um dort seine Fertigkeit weiterzugeben. Es meldeten sich jedoch keine Interessenten. „Vielleicht ließe sich die Jugend für dieses Kunsthandwerk begeistern, wenn es seitens der Behörden Unterstützung geben würde.“ Der Rentner meint, das Kulturministerium müsste eine Datenerhebung der regionalen Kunsthandwerke durchführen und diese auf nationalen sowie internationalen Messen bekannt machen. „Ohne die Förderung des Staates, bin ich mir sicher, dass es bald kein Kunsthandwerk mehr in Portugal geben wird“, sagt er, „denn es ist keineswegs eine profitable Arbeit.“
„Die Leute meinen immer, dass wir zu viel für unsere Werke verlangen, und kaufen sie deshalb nicht“. Doch Kunsthandwerk muss seinen Preis haben, wie Objekte, die in Serie hergestellt werden, erklärt er. „Das Problem ist, dass oft für letztere genau so viel verlangt wird wie für Kunsthandwerk. Und in diesem Fall kann wirklich gesagt werden, dass es teuer ist.“
Als Beispiel nennt er die Fatacil-Messe: „Die Messe sollte eine Kunsthandwerksmesse sein, doch unter den Ausstellern gibt es höchstens 20 Handwerker.“ Die Restlichen verkaufen, laut António Real, Produkte, die in Serie oder mit Hilfe von Maschinen hergestellt werden. Handelt es sich um authentisches Kunsthandwerk, sind die Preise sogar sehr günstig, meint er. „Würde man die Stunden berechnen, die für die Herstellung eines Stücks benötigt werden, und pro Stunde dasselbe wie eine Putzfrau verlangen, dann kosteten sie doppelt so viel“. Von der Vorbereitung des Korks bis hin zum endgültigen Ergebnis sind je nach Größe des Stücks neun Stunden nötig. „Und das nur für einfache Gegenstände ohne Schnitzarbeit.“
Die geschälte Rinde wird gekocht und getrocknet. Kork, der für runde Gegenstände genutzt werden soll, muss sofort nach dem Kochen eingerollt werden und so trocknen. „Für die ganz typischen Objekte lass ich die äußere Rinde dran, ansonsten entferne ich sie per Hand mit Hilfe eines Messers. Danach muss der Kork abgeschmirgelt werden. Und zuletzt kommt viel Inspiration und Arbeit“, so António Real. Die meisten seiner Werke sind mit Schnitzereien verziert. Die geschnitzten Motive sind die gleichen, die schon die Araber herstellten. „Im Kork können nur gerade Linien oder Halbkreise geschnitten werden“, erklärt er, „sonst würde der Kork zerfallen.“
Die Qualität und Haltbarkeit der geschaffenen Kunstwerke hängt natürlich auch von der Qualität des Korks ab. Und António Real bedauert den Einfluss der modernen Maschinen. „Früher wurde die Eichenrinde mit Hilfe einer Axt geschält, heute mit einer Motorsäge. Die Säge wird dabei warm und die Hitze schadet dem Baum. Die Qualität der nächsten Ernte wird nicht mehr so gut sein.“ Dazu kommt, dass der Ackerbau heutzutage mit Traktoren betrieben wird, die Pflüge viel tiefer graben und die Wurzeln der Eiche schädigen. „Der Baum verliert Kraft, der Kork Qualität“, erklärt António, „Und der Klimawandel, der in aller Munde ist, trägt auch zu einer niedrigeren Güte des Korks bei.“ Der Preis des Rohstoffes ist deshalb auch gestiegen. Vor allem der von hochqualitativem Kork, wie dem aus der Algarve. Und dies wirkt sich auch auf den Endpreis aus.
Sarkastisch erinnert er daran, dass das umstrittene Wirtschaftsprüfungsamt ASAE auch sein Leben nicht einfacher macht. Da Restaurants nun wegen der neuen Hygiene-Vorschriften das Essen nicht mehr in den typischen Korktellern servieren dürfen, hat er einige seiner Kunden verloren. „Doch das Lustige ist, dass genau die Herrschaften, die diese Regelungen erlassen haben, dann im Alentejo so typisch wie möglich essen und auch solche Souvenirs mitnehmen wollen!“
* Der Artikel erschien im Augustheft 2008 der Zeitschrift ESA. Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der ESA und der Autorin, von der auch das Foto stammt.
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António Real, einer der letzten Korkkünstler |
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