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Betreten keineswegs verboten
Von Anabela Gaspar  *

Die Portugiesen verzieren alles – auch die Straßenpflaster sind mit Sternen, Blumen, Tieren und anderen Mustern aus Basalt, Granit oder Kalkstein geschmückt. Die Mosaike, die den Boden der portugiesischen Hauptstadt bedecken, sind für den Besucher unübersehbar. Der Name dieser lusitanischen Kunstwerke ist Calçada portuguesa. Aber nicht nur die Straßen, Plätze und Bürgersteige der Hauptstadt sind verziert, auch die Straßenpflaster im ganzen Land.

Die weiß-schwarzen Motive berichten über die große Vergangenheit der Seefahrernation. Auf dem Rossio, einer der größten und wichtigsten Plätze von Lissabon, und Rathausplatz von Cascais spiegeln sich die Wellen des Meeres im Pflaster wider. Schon 1863 berichtete der Schriftsteller Heinrich Karl Brandes in seinem Buch Ausflug nach Portugal im Sommer 1863 von dem „recht bunten und munteren Wellenspiel“.

Beliebte Muster sind Karavellen und andere Schiffe, die so genannten naus, die die Portugiesen im Mittelalter gebaut haben. Windrosen, Steuerräder, Wappen, Sterne und Anker sind kontrastreiche Motive. Auch Fische, Krebse, Langusten, Vögel und Blumen sind oft zu sehen. Die weißen und schwarzen Basalt-, Granit- oder Kalksteine werden von erfahrenen Handwerkern mit Hilfe eines Hammers in die gewünschte Form gebracht: Jeder Stein ist ein handgemachtes Kunstwerk. Das Ziel ist, sie aneinander anzupassen bis das gewünschte Muster zustande gekommen ist.

Die Technik stammt vom Anfang des 19. Jahrhunderts. Damals wurde die Pflasterarbeit von Sträflingen ausgeführt. Das Ergebnis war so befriedigend, dass das Lissabonner Rathaus sich entschloss Fonds bereitzustellen, um andere Plätze und Straßen zu verzieren. Die Pflasterkunst wurde weiter verbessert und das jeweilige Motiv immer ausgefallener. Eine Steinsetzer-Schule in Lissabon wurde gegründet, in der die Künstler jahrelang ausgebildet wurden, um die Mosaiken in ihrer Perfektion gestalten zu können.

Nicht nur die Portugiesen schätzen diese Kunstwerke. In Macau sind unzählige Straßen mit Mustern verziert, die an die portugiesischen Entdeckungsreisen erinnern. Auch in der indonesischen Hauptstadt Jakarta und in New York findet man Stücke der lusitanischen Kultur. In Rio de Janeiro wird das portugiesische Pflaster sehr geschätzt. So sehr, dass es sogar Gesetze für seine Bewahrung gibt. Der Unterschied zwischen dem typischen portugiesischen Pflaster und dem brasilianischen ist, dass die Brasilianer farbige Steine benutzen; die Straßenpflaster in Portugal sind immer nur weiß und schwarz. Die berühmteste Ausnahme in Portugal ist die riesige bunte Windrose vor dem Padrão dos Descobrimentos, dem Entdecker-Denkmal im Lissabonner Stadtteil Belém.

Seit 2001 wird ein Wettbewerb veranstaltet, dessen Ziel es ist, die Pflasterarbeiten zu prämieren, die sich wegen ihrer Originalität, Schönheit, Vervollkommnung und Umsetzung des Motivs hervorheben. Die Initiative beabsichtigt auch durch Ausschreibung von Wettbewerben für die nationale Anerkennung des portugiesischen Pflasters als grundlegendes Gestaltungselement des Stadtbildes beizutragen. Um diese Kunstwerke zu besichtigen, brauchen Sie keine Eintrittskarte, sondern nur mit offenen Augen durch die Straßen zu schlendern und auf den Boden zu gucken.

*  Der Artikel stammt aus der Mai-Ausgabe 2004 der Zeitschrift ESA. Wir danken der Redaktion und der Autorin, von der auch das Foto stammt für die freundliche Genehmigung des Nachdrucks. Die Stadtverwaltung von Lissabon hat übrigens inzwischen mit der Errichtung eines Denkmals der Bedeutung der calçada portuguesa Ausdruck verliehen. Seit Dezember 2006 sind mitten in der Baixa in der Rua da Vitória direkt vor der Kirche São Nicolau zwei lebensgroße Bronzefiguren des Bildhauers Sérgio Stichini zu sehen: ein calceteiro, der einen Stein behaut und sein Helfer, der mit einem groben Hammer den Basalt spaltet.


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Der Rathausplatz von Cascais
 


Eine Nau