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Alles im blauen Bereich … Wirklich alles?
Von Peter Koj

Neulich wurde in einer Fernseh-Quizshow ein Kandidat gefragt, ob das Wort azulejo (port. Fliese, nicht Kachel) von azul (blau) kommt. Als er dies bejahte, wurde er unter dem tosenden Beifall der Studiogäste mit einem Punkt belohnt. Und lieferte hiermit ein weiteres Beispiel dafür, wie wenig Grundkenntnisse über dieses so wichtige Produkt des portugiesischen Kunsthandwerks vorhanden sind. Die Ursprünge der Fliesenkunst liegen im Orient (Iran, 12. Jh.), und das Wort selbst kommt aus dem Arabischen al-zu-leycho, was so viel wie „kleiner Stein“ heißt. Über die italienische Majolikakunst und die arabischen Handwerker Andalusiens hielten die azulejos am Ende des 15. Jahrhunderts ihren Einzug in Portugal. Es handelte sich um polychrome (mehrfarbige) Fliesen, wie man es sehr schön an den Dekorationen der Zeit im Königspalast von Sintra sehen kann. Das erste portugiesische Fliesenbild (Paneel) stammt aus dem Jahre 1565. Es zeigt Susanne im Bade (Casa dos Tanques in der Quinta de Bacalhoa, Azeitão) und weist die ganze Farbskala auf. Die Mode der blau-weißen Fliesen kam später unter dem Einfluss der Holländer auf, zu Beginn des 17. Jahrhunderts. Diese wiederum war ausgelöst durch das chinesische Porzellan der Ming-Dynastie, das wiederum von den Portugiesen importiert wurde, die als einzige Handelspartner des ansonsten zur übrigen Welt abgeschotteten Chinas akzeptiert waren. So verschlungen sind manchmal die Wege! Wäre noch anzumerken, dass mit dem Aufkommen des Jugendstils am Ende des 19. Jahrhunderts die Fliesenkunst wieder polychrom wurde. Trotzdem ist für viele die „typische“ Fliese noch immer blau und weiß.


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Klassischer „azulejo avulso“ (Einzelfliese)