Pedro Cabrita Reis in der Galerie der Gegenwart
Zur Ausstellung "One after another, a few silent steps"
31. Okt. 2009 bis 28. Feb. 2010
Pedro Cabrita Reis, 1956 in Lissabon geboren, ist
einer der wichtigsten portugiesischen Künstler, der nun
erstmals seit 1996 wieder in einem deutschen Museum
zu sehen sein wird. Neben zahlreichen internationalen
Ausstellungen nahm er 1992 an der documenta teil und
vertrat 2003 Portugal bei der Biennale in Venedig. In der
bislang umfangreichsten Werkschau des Künstlers zeigt
die Hamburger Kunsthalle im gesamten Sockelgeschoss
der Galerie der Gegenwart rund sechzig, zum Teil raumgreifende
Skulpturen, Gemälde, Zeichnungen und Photographien
aus den Jahren 1987 bis 2009.
Seit den frühen 1990er Jahren kreist Cabrita Reis’
Werk um die Themen Haus, Behausung, Architektur
und Territorium. Neben Arbeiten, die auf Elementen
der alltäglichen Lebenswelt, wie Tisch und Stuhl, Tür
und Fenster basieren, entwirft Cabrita immer wieder
raumgreifende Installationen, die die Ausstellungsräume
mit ebenso komplexen wie brachialen architektonischen
Strukturen in Besitz nehmen. Mit ungeschlachten Ziegelmauern,
Fundstücken und industriellen Materialien wie
Neonröhren, Glasplatten, Stahlträgern oder rohen Brettern
konterkariert er den klassischen White Cube oder
besetzt einen barocken Prunksaal kurzerhand mit einer
Reihe Favelas.
Pedro Cabrita Reis ist ein aufmerksamer Sammler,
sowohl von zivilisatorischem Treibgut wie auch von
Eindrücken und Bildern. Aufgegebene Alltagsgegenstände
sind ebenso willkommene Fundstücke wie das Panorama
einer verlassenen Baustelle, ein alter Olivenbaum oder
ein flüchtig gemauerter Hühnerstall, die er bei seinen
Fahrten durch Lissabon oder durch die kargen Landschaften
des Alentejo und des Algarve sieht. Wie Nachbilder
auf der Retina setzen sie den Keim einer Bildidee für eine
seiner melancholisch-archaischen Skulpturen oder einer
neuen Malerei. Selten gibt es einen Künstler, dessen Werk
so stark von seiner Umgebung, dem Land und seiner
Geschichte, den Landschaften und den Städten, in denen
er aufwuchs und lebt, geprägt ist. Gleichzeitig treiben
ihn immer wieder Grundfragen der Kunst um, zum Malerei-
oder Skulpturbegriff, zur Zeichnung im Raum mit
skulpturalen Mitteln.
Auch wenn Cabritas rohe Mauern, seine mit Klebeband
zusammengehaltenen Pappverschläge auf sozialen
Realitäten außerhalb der Kunst verweisen, gehen
sie nicht in diesen Realitäten auf oder verdoppeln sie
gar, sondern transformieren sie in vieldeutige, geheimnisvolle
und teils im wörtlichen Sinne undurchsichtige
Kunstwerke. Wo Fenster in Cabritas Installationen auftauchen,
sind sie grundsätzlich blind, vernagelt, übermalt,
die Türen zu seinen Gehäusen sind unzugänglich, Trep-
pen führen in die Leere. Cidades Cegas, blinde Städte, ist
der Titel einer Werkgruppe, deren stoisch melancholische
Anmutung auf die „Unbehaustheit“ des Menschen als
Grundkonstante der conditio humana und damit einem
der wichtigsten Leitmotive in Cabrita Reis OEuvre verweist.
Die Ausstellung wird neben Leihgaben aus renommierten
Museen und Privatsammlungen auch neue Werke
vorstellen, die für die Ausstellung in der Hamburger
Kunsthalle konzipiert wurden. Nach ihrer Premiere in
Hamburg wandert die Ausstellung an das Musée Carré
d’Art in Nîmes und das Museu Colecção Berardo in Lissabon.
Es ist die erste Ausstellung der neuen Kuratorin der
Galerie der Gegenwart, Sabrina van der Ley, in der Hamburger
Kunsthalle.
Zu der Ausstellung erscheint ein Katalog. Er ist im
Museumsshop oder unter www.freunde-der-kunsthalle.de
erhältlich.
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Pedro Cabrita Reis, Berlin 2002
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