Das Schicksalsschiff
Der portugiesische Passagierdampfer Serpa Pinto war in den 40-er Jahren auf den Reisen über den Atlantik für viele europäische Juden die letzte Möglichkeit, Europa über das neutrale Portugal zu verlassen und Zuflucht in den USA oder in Südamerika zu suchen. In der Gegenrichtung nutzten in Brasilien lebende Auslandsdeutsche 1942 die Serpa Pinto, um ihre nationalsozialistischen Ideen im „heimischen Reich“ verfolgen zu können. Die flämische Autorin, Tochter eines dieser deutsch-brasilianischen Paares, zeichnet anhand von Einzelschicksalen die Lebenswege verschiedener jüdischer und deutsch-brasilianischer Familien in dieser dramatischen Epoche nach.
Roman oder Dokumentation? Das Buch findet keine endgültige Form. Mein Eindruck war, dass die Autorin sich bemüht hat, einen Teil ihrer Familiengeschichte anhand der Tagebuchaufzeichnungen ihrer Mutter aufzuarbeiten, es aber manchmal – vielleicht wegen des familiären Bezugs – am notwendigen Abstand fehlen lässt. Insgesamt fand ich das Buch thematisch interessant, literarisch aber nicht sehr befriedigend.
Reiner Drees
|
. |
|
|
Rosine de Dijn: Das Schicksalsschiff
Aus dem Niederländischen übersetzt
Deutsche Verlagsanstalt
München, 2009; 270 S.; ISBN 978-3-421-04350-4; EUR 19,95
|
|
|
|