Die Zinnen des Castelo São Jorge
Zu José Eduardo Agualusas Roman Das Lachen des Geckos
„Niemand ist ein Gecko“, protestiert Félix Ventura, die Hauptfigur auf Seite 76 des Romans Das Lachen des Geckosalter ego der Hauptfigur. Vor allem aber ist er der Erzähler der Geschichte – unseren Herpetologen Rudolf Malkmus dürfte es entzücken. Ebenso ungewöhnlich ist die Figur des Félix Ventura, ein angolanischer Albino, der seine literarische Bildung und schriftstellerischen Fähigkeiten zu einem ungewöhnlichen Broterwerb nutzt: Er handelt mit erfundenen Lebensläufen, die er neureichen Angolanern verkauft, die ihren materiellen Erfolg mit einem edlen Stammbaum krönen wollen. Einer von ihnen, José Buchmann, ist von seiner neuen Identität so angetan, dass er sich auf die Suche nach den ihm angedichteten Vorfahren macht und sogar fündig zu werden scheint.
Dem Leser wird bei diesem Verwirrspiel immer wieder der Boden der Realität unter den Füßen weggezogen und er wird mit der Frage konfrontiert: Was ist Realität? Wo hört sie auf und wo fängt der Traum an? Leben wir nicht in einer Welt der Illusionen und Täuschung? Beispielhaft dafür sind die Zinnen des Castelo São Jorge, die in der Salazarzeit angebracht wurden, deren Echtheit inzwischen aber von den wenigsten Lissabonnern in Frage gestellt wird. Oder wird der angolanische Staatspräsident nicht schon längst durch ein Double ersetzt?
Am Ende holt die Wirklichkeit die von Félix Ventura geschaffene Scheinwelt ein, und im Hirn des Lesers, der verwirrt und atemlos zurückbleibt, kehrt wieder Ruhe ein. Und Entzücken über diese geistreiche und unterhaltsame tour de force, in der wir so manches über die ehemalige portugiesische Kolonie erfahren. José Eduardo Agualusa ist einer der ganz großen zeitgenössischen Erzähler der portugiesischen Sprache und, wie wir auf der am 29. Mai in der Werkstatt 3 in Zusammenarbeit mit unserer Gesellschaft veranstalteten Lesung erleben durften, ein inspirierter und inspirierender Gesprächspartner. Ein Lob der vorzüglichen Übersetzung von Michael Kegler und der schönen Ausgabe des A1-Verlags, die im Gegensatz zu den in den verschiedenen Ländern erschienenen Übersetzungen auf die Abbildung eine Geckos auf der Buchhülle verzichtet, sondern ihn stattdessen in einer hübschen kleinen Vignette auf der Titelseite abbildet.
Peter Koj
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José Eduardo Agualusa: Das Lachen des Geckos
Aus dem Portugiesischen übersetzt von Michael Kegler
A1 Verlag
München 2008, EUR 17,80
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